12.03.2025

Akzeptanz

„Connect with the crisis“

Eine Krise für sich anzunehmen und mit ihr „in die Verbindung“ zu gehen, bedeutet, in herausfordernden Zeiten einen Umgang für sich mit dem Schweren oder Leidvollen zu finden, ohne die Augen davor zu verschließen. Es stellt einen wichtigen Schritt in der Bewältigung einer Krise dar.

Wir alle haben unsere ganz eigenen Strategien, mit einer Krise umzugehen. Häufig neigen wir Menschen dazu, Krisen zu leugnen, bis sie so groß geworden sind, dass wir sie nicht mehr ignorieren können. Oder wir rennen weg, verlieren uns in blindem Aktionismus oder kämpfen vielleicht sogar dagegen an.

ACT - oder auch die Acceptance und Commitment Therapy - ist ein Ansatz, der darauf beruht, das Schwere oder Leidvolle bewusst zu integrieren und sich dessen anzunehmen. Der besondere Mehrwert liegt darin, dass Akzeptanz nach diesem Ansatz eine aktive Komponente einbezieht. Es bedeutet also kein passives Erdulden von leidvollen Zuständen. Ganz im Gegenteil. Hier kommt eine bewusste Entscheidung, eine Haltung ins Spiel. Ich kann mich entscheiden, mich der Krise anzunehmen und sie in mein Leben zu integrieren. Anstatt Energie darauf zu investieren, immer wieder gegen das Leid anzukämpfen oder mich mit Selbstanklage mit dem Schmerz zu konfrontieren, bedeutet dessen Annahme einen ganz anderen Modus.

Mal ehrlich: wir alle kennen diese Momente. Wir nehmen wahr, dass etwas immer mehr in Schieflage gerät, wir halten verzweifelt daran fest und versuchen mit unseren individuellen Coping Strategien, es möglichst schnell und ohne großes Aufsehen wieder in den Griff zu bekommen. Und genau hier findet das Umdenken statt: was auch immer hier in Schieflage gerät, ruft nach einem Innehalten und einem Bewusstwerden. Hier geht es also weniger darum, dem Warum auf die Spur zu kommen und tief in die Ursachenerforschung einzutauchen. Vielmehr meint dieser Modus einen Bewusstseins-zustand, der mitfühlend und beobachtend auf sich selbst blickt - ohne zu bewerten.

Der Versuch, das Unangenehme möglichst schnell wieder aus dem Leben zu verbannen, kann wenn überhaupt nur kurzfristig glücken. Die Tatsache, dass Leidvolles oder eine Krise in meinem Leben ist, kann ich nicht verändern - ganz egal, mit wie viel Energie ich versuche, dagegen anzukämpfen. Diese Energie ist verschenkt.

Wenn wir es schaffen, diese Energie stattdessen auf uns selbst zu richten und den Schmerz nicht wegzudrücken oder zu meiden, dann kann hier ein wichtiger erster Schritt in Richtung Akzeptanz stattfinden. Es geht hier also um eine Haltung, die sich inneren Prozesse zuwendet, sie beobachtet und sich für das Unangenehme interessiert. Was steckt eigentlich dahinter? Und was braucht der Schmerz? Was lässt den Schmerz größer werden? Was beruhigt ihn?

Tom Pinkall bezeichnet Akzeptanz als eine Fähigkeit, die wir kultivieren können und versteht sie damit als eine dynamische Ressource. Sie ist also nicht statisch. Genauso wie beim Meditieren könnte man sagen, handelt es sich im übertragenen Sinne um einen Muskel, den wir trainieren können.

Und wenn es nicht möglich erscheint, eine Krise für sich anzunehmen, dann können wir sie möglicherweise trotzdem als etwas Schmerzhaftes oder Leidvolles anerkennen oder sie sogar würdigen.